aktuelles [Ein neues Gesicht]

2016 - Die Freude der Tyrolia

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Foto: Wolfgang Lackner/TLMF

 

Da die Dachbalustrade und das oberste Gesims bei früheren Restaurierungsarbeiten aus Kostengründen nur notdürftig ausgebessert worden waren, war eine Sanierung dringend erforderlich. Die löchrige Verblechung entlang der Balustrade und des Gesimses wurde samt Unterkonstruktion entfernt und eine Neuverblechung aus 2 mm starkem Bleiblech an Saum-Einhängeblechen aus Edelstahl befestigt. Die Befestigung erfolgte in Abstimmung mit Frau MMag.a Gabriele Neumann vom Bundesdenkmalamt (BDA) mit Klebung und Schlagdübeln. Die Blechstöße wurden abwechselnd als Dehnungsfugen und umgeschlagene Doppelstehfalze ausgeführt, die mit schmalen aufgeschweißten Blechstreifen abgedeckt wurden. In den Stößen sichern Schlagdübel die Bleibleche gegen Abheben infolge der hohen Windsogkräfte. Das umlaufende Gesims der Tyrolia wurde auf Wunsch von Dr. Werner Plunger und im Einvernehmen mit dem BDA in die Bleiverblechung eingebunden. Die konservatorischen Pflegemaßnahmen für die Steinbalustrade wurden mit zu rückhaltenden formalen Ergänzungen ausgeführt. Zudem wurden sämtliche Steinteile an der Hauptfassade und den beiden Seitenfassaden statisch gesichert. Einige fehlende Teile an auskragenden Gesimsen und Schneerechen am Dach wurden ergänzt und Risse verschlossen. Zuletzt wurde auf Wunsch des Betreibers der Kunstpause im Bereich der Außensitzplätze der bestehende Taubenschutz ergänzt. Die Restaurierungskosten von insgesamt € 215.000 wurden von der Tiroler Landesgedächtnisstiftung mit einem namhaften Betrag unterstützt (Johannes Schmidt, Die Freude der Tyrolia, in: ferdinandea 37, S. 5)

 

Problem/e/lösungen in den 1880ern und heute

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Museumsvorstand Prof. Dr. Werner Plunger hatte in der Zeit seiner Vorstandschaft – auch

– vielfältige Bauprobleme zu lösen. Er befindet sich – auch – darin in bester Gesellschaft: Die

Abdichtung und Isolierung des Museumshofs (zugleich Depotdach, 2014) infolge Wassereintritts

war eine neue Herausforderung; dafür hatten seine Vorgänger mit Wassereintritt im – neu aufgestockten – zweiten Obergeschoß und faulenden Deckentramen zu kämpfen (1886).

Gleich ist das Problem mit der Balustrade der Attika aus weißem Trientiner Kalkstein. Schon kurz nach ihrer Fertigstellung musste sie saniert werden. Im Blei sah man damals (1885) wie heute (2016) das Mittel der Wahl. Originelle Wege beschritt man einst: Ausschussmitglied Dr. Franz Werner trat an das Comitè des Bundesschießens heran, um das bei dieser Veranstaltung

verschossene Blei für das Verfüllen der Fugen und Risse zu erhalten. Professionell packte Werner Plunger – wie bereits 2013 die Sanierung der Balkonbalustrade – das Problem an: Die Attikabalustrade wurde nach Beheben der Steinschäden insgesamt neu mit Bleiblech eingedeckt.

Auch die Lösung des leidigen Freitreppenproblems brachte er noch auf Schiene: Geldprobleme ließen in den 1880ern von Natale Tommasis großzügiger Lösung Abstand nehmen. Bestellte Marmorsteine mussten retourniert werden. Man lebte mit einem abgespeckten Provisorium.

Nun werden Tommasis ausladende Seitenrampen zwar nach wie vor nicht verwirklicht, die bestehende Freitreppe aber wird – wie alle Fassadenarbeiten – in Abstimmung mit dem Bundesdenkmalamt einer soliden Generalsanierung unterzogen werden. (Ellen Hastaba, Problem/e/lösungen in der 1880ern und heute, in: ferrdiandea 37, S. 6)

 

 

2016 - Hoch hinaus

Verlust flächiger Antragung an der Dachbalustrade. Foto: Erich ReichlS._6b_Plunger_-_schadhafte_Antragung_Dachbalustrade_c_Reichl

Abb. li.: Verlust flächiger Antragung an der Dachbalustrade.

Abb. re.: schadhafte Antragung Dachbalustrade. Beide Fotos: Erich Reichl

 

Bekanntlich ist der Verein Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum Eigentümer des Museumsgebäudes. In der mit dem Land Tirol anlässlich der Gründung der Betriebsgesellschaft

getroffenen Vereinbarung übernimmt der Verein die laufende Instandhaltung des Gebäudes

unter Heranziehung der Mittel aus der Nutzungsüberlassung des Ferdinandeums und seiner Sammlungen. So wurden beispielsweise die Tyrolia-Gruppe (2010), die Balustrade des Eingangsportikus (2012) und der Innenhof samt Einfahrt (2014) nachhaltig saniert. Am 4. April 2016 ging es also wieder „hoch hinaus“ – die Generalsanierung der Dachbalustrade und Attika steht an. Auf Grundlage von Fachgesprächen mit dem Bundesdenkmalamt (BDA) und ausführenden Restaurierungsexperten wurden Offerte für diese Arbeiten eingeholt, die von der Fassadensanierung 2003 nicht umfasst waren.

Im Zuge der Besichtigungen vor Ort hat sich herausgestellt, dass Teilflächen der Fassadenbeschichtungen im 2. Obergeschoß überarbeitet werden müssten. Vorerst ist

geplant, dass die Sanierungsarbeiten ohne Einrüstung des Gebäudes durchgeführt werden, die endgültige Entscheidung darüber wird anlässlich der Ausführung einer sog. Musterachse an der Südseite des Ferdinandeums Anfang März/April d. J. getroffen. Der budgetierte Kostenrahmen

bewegt sich zwischen € 185.000 (ohne) und € 220.000 (mit Einrüstung). Ein erfahrenes Team aus BDA, Landesbaudirektion/Abt. Hochbau, planendem Architekten und der hauseigenen Gebäudeverwaltung wird die Arbeiten begleiten. Wenn die Witterung mitspielt, sollten sie noch vor dem Sommer 2016 abgeschlossen sein und weder den Museumsbetrieb noch die Benützung

des Gastgartens der „Kunstpause“ stören. (Werner Plunger, Hoch hinaus, in: ferdinandea 35, S. 6)

 

2013 - „Die Balustrade der Attica aus weißem Trientiner Kalkstein“

 Während der Restaurierung der Balustrade. Foto: TLM

So beschreibt Hans Semper seinerzeit die Fassade des umgebauten Ferdinandeus (1883/84).

 

Wenn ich Ellen Hastaba richtig interpretiere (alle Zitate aus E. Hastaba „Programm mit Zufall und Abstrichen – gesamttirolisch ausgerichtet: Die Fassade des Tiroler Landesmuseums Ferdinandeum“, 2003), dann war die heutige Fassade im Großen und Ganzen 1883 nach den Plänen von Natale Tommasi fertiggestellt. Bereits 1885 fasste der Ausschuss aber den Beschluss, dass „der Marmor an der Balustrade gegen den Einfluss der Witterung geschützt werden muss“.

Wie sich die Bilder gleichen: Einen fast gleichlautenden Beschluss musste unser Vorstand im Dezember 2012 fassen. Die Baluster der Attica haben erhebliche Erosionsschäden aufgewiesen und waren teilweise absturzgefährdet. Nach durchgeführter Ausschreibung und unterstützt vom Bundesdenkmalamt (BDA) wurden nun im April 2013 die notendigen Sanierungsarbeiten durchgeführt. Der Steinrestaurator Johannes St. Schlögl hat den Originalzustand der Balustrade in Trientiner Marmor nahezu wiederhergestellt, die Sockel der Schalen am Balkon saniert und die Grundlage für eine neue Abdeckung in Bleiblech geschaffen. Es ist erfreulich, dass der Investitionsaufwand von insgesamt € 38.000,00 durch das BDA mit einem namhaften Betrag gefördert wird. Zwei Anmerkungen sind wichtig: Einmal die positive Resonanz des Publikums auf die Lois-Weinberger-Installation auf der termingerecht erneuerten Balustrade. Zum Anderen die bei der Sanierung gewonnene Erkenntnis, dass die gesamte Fassade unseres Ferdinandeums einer dringenden Revision bedarf, die wir begleitet von BDA, Landesbaudirektion und Arch. J. Schmidt rasch in die Wege leiten wollen. (Werner Plunger, Die Balustrade der Attika aus weißen Trientiner Kalkstein, in: ferdinandea 25, S. 5)

  

2010 - ein neues Gesicht an der Fassade

von Andrea Fink

 

dominikus_mahlknecht angelika_kauffmann leeres medaillon

 

Wer die Fassade des Ferdinandeums eingehend studiert, findet auf dieser 22 in Stein gearbeitete Porträtbüsten von "berühmten Tirolern" und VorarlbergerInnen und eine Reihe leer stehender Medaillons. Der Vorstand des Vereins Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum hatte sich 2010 entschlossen, eines dieser noch leeren Medaillons zu füllen und bat um Ihre Mithilfe bei der Suche nach einer geeigneten Persönlichkeit.

Bevor auf diesen Punkt näher eingegangen wird, soll kurz erläutert werden, wie diese erste Serie Köpfe an die Fassade gelangte (die nachfolgende Darstellung basiert weitgehend auf einem Artikel von Dr. Ellen Hastaba (s. Link unten). Die Neo-Renaissance-Fassade, die sich den heutigen Betrachtenden zeigt, entspricht weitgehend den Plänen Natale Tommasis aus dem Jahre 1882. Das erste Gebäude des Tiroler Landesmuseums Ferdinandeum, ein zwischen 1842 und 1845 nach den Plänen von Anton Mutschlechner errichteter Bau mit zwei Geschoßen und mit einer vergleichsweise schmucklosen Fassade, war durch das stetige Anwachsen der Sammlungen und der Museumsaktivitäten rasch zu klein geworden. Erste Diskussionen zu einer möglichen Erweiterung reichen in die 1860er Jahre zurück, Mitte 1880 wurde das Projekt ernsthaft in Angriff genommen und es überzeugte schlussendlich der Entwurf von Tommasi zu einer Aufstockung des Gebäudes, dieser enthielt bereits schematische Vorstellungen zur Fassadendekoration und somit auch "Platzhalter“ für die Porträtbüsten.

Prof. Dr. Josef Egger (historischer Fachdirektor und ab 1876 Bibliothekar am Ferdinandeum) wurde am 7. Juni 1882 mit der Aufgabe betraut, eine erste Auswahl von berühmten, bereits verstorbenen TirolerInnen (und VorarlbergerInnen) vorzuschlagen, deren Büsten an der Fassade angebracht werden sollten. Seine erste, umfangreiche Liste enthielt neben KünstlerInnen und WissenschaftlerInnen aus den beiden Kronlanden (Tirol und Vorarlberg) und beiden Nationalitäten auch noch besondere GönnerInnen des Ferdinandeums und FörderInnen bzw. Förderer geistiger, wissenschaftlicher und künstlerischer Bestrebungen. Dr. Egger ging davon aus, dass für das Ferdinandeum als Kunst- und wissenschaftliches Institut "... die Wahl von Staatsmännern, Kriegern, großen Kirchenfürsten u.s.w. von Vorherein ausgeschlossen...“ sein sollte. Dies war der Auftakt für einen Diskussionsprozess, der sich über mehrere Ausschusssitzungen ziehen sollte und in dem zwei Komitees zur Auswahl gebildet wurden. Am 14. Juli 1882 fielen die ersten Entscheidungen für die Maler Joseph Anton Koch (1768-1839, Mitglied der Lukasbrüder (Nazarener) in Rom), Martin Knoller (1725-1804) und Johann B. Lampi d. €. (1751-1830). Am 15. Dezember 1883 wurden die Namen der letzten Gelehrten fixiert. Joseph Bergmann (1796-1872, Geschichts-/Sprach und Altertumsforscher, Direktor des Münz- und Antikenkabinetts der Ambraser Sammlung, Mitglied der Akademie der Wissenschaften), Anton von Rosmini (1792-1855 Philosoph, Theologe, Politologe) und Pius Zingerle (1801-1881, Orientalist und Theologe). In Summe wurden zwölf KünstlerInnen ausgewählt, deren Porträtbüsten in Medaillons im Fries zwischen erstem und zweitem Obergeschoss ausgeführt wurden. Die Büsten von zehn Gelehrten, Wissenschaftlern und Dichtern sind in den Fenstergiebeln des Obergeschosses platziert. 

Der Steinmetz Antonio Spagnoli aus Isera (1849-1932) fertigte die Porträtköpfe. Das Programm beinhaltet also Persönlichkeiten aus allen Landesteilen des historischen Tirols sowie Vorarlbergs (wobei man weder ein Geburtsort oder eine Tätigkeit außerhalb der Region ein Ausschlussgrund war). Es erstreckt sich zeitlich von Oswald von Wolkenstein (14. Jahrhundert) bis Pius Zingerle (gestorben 1881), wobei 17 Personen aus dem 18. bzw. 19. Jahrhundert stammen, weitere vier aus dem 16. Jahrhundert. Neben 21 Männer wurde lediglich eine Frau gewürdigt: die Vorarlberger Malerin Angelika Kauffmann. Die Persönlichkeiten sind VertreterInnen verschiedener Bereiche, wie der Malerei, Bildhauerei, Dichtung, Forschung, Geschichte, Philosophie, Theologie u.v.a.

Damals war eines bereits klar formuliert, nämlich dass "... [damals noch lebenden Persönlichkeiten] und nachgeborenen Künstlern diese Ehre [auch als Porträtbüste an der Fassade verewigt zu werden] nicht vorenthalten bleiben [sollte], wenn sie erst aufgehört haben werden - sterblich zu sein.“ In diesem Sinne möchte der Verein die frei gebliebenen Nischen sukzessive mit weiteren Büsten bestücken und nun mit der ersten beginnen und bittet Sie um Ihre Mithilfe: Wer soll der neue Kopf sein? Nach wie vor gelten dieselben Kriterien wie in den 1880er Jahren. Gesucht wird eine Persönlichkeit aus Kultur, Kunst oder Wissenschaft (auch mit überregionaler Bekannheit), die eine große Bedeutung für Tirol hat, aber bereits verstorben ist. Ein direkter Bezug zum Museum ist nicht Voraussetzung.  

 

Sie möchten wissen, wessen Büsten noch auf der Fassade prangen? Hier die vollständige Liste:

Porträtköpfe berühmter Dichter und Wissenschafter oberhalb der Fenster des zweiten Stockes:

Oswald von Wolkenstein, Dichter, Musiker, Ritter (1376–1445); Hieronymus Tartarotti, Geschichtsforscher (Rovereto 1706–1761 Rovereto); Josef Resch, Historiker, Theaterdichter (Heiligkreuz/Hall in Tirol 1716–1782 Brixen); Johann Anton Scopoli, Arzt, Naturforscher (Cavalese 1723–1788 Pavia); Peter Anich, Kartograph, Landwirt (Oberperfuss 1723–1766 Oberperfuss); Jakob Philipp Fallmerayer, Historiker, Reiseschriftsteller, Publizist, Byzantinist, Parlamentarier (Tschötsch bei Brixen 1790–1861 München); Joseph Bergmann, Geschichts-/Sprach-/Altertumsforscher, wirkliches Mitglied der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Direktor des Münz- und Antikenkabinetts der Ambraser Sammlung (Hittisau 1796–1872 Graz); Anton von Rosmini, Philosoph, Theologe, Politologe (Rovereto 1792–1855 Stresa); Pius Zingerle, geb. als Jakob Z., Theologe, Orientalist (Meran 1801–1881 Marienberg); Hermann von Gilm, Lyriker, Beamter (Innsbruck 1812–1864 Linz)

Porträtköpfe berühmter KünstlerInnen in den Medaillons zwischen erstem und zweitem Stock:

Paul Dax, Kartograph, Glasmaler, Soldat (Sterzing 1503–1561 Innsbruck); Gregor Löffler, Bronzegießer (Innsbruck um 1490–1565 Innsbruck-Hötting); Alessandro Vittoria, Bildhauer (Trient 1524–1608 Venedig); Alexander Colin, Bildhauer (Mecheln 1527–1612 Innsbruck); Martin Knoller, Maler (Steinach am Brenner 1725–1804 Mailand); Joseph Schöpf, Maler (Telfs 1745–1822 Innsbruck); Angelika Kauffmann, Malerin (Chur 1741–1807 Rom); Michelangelo Unterberger, Maler (Cavalese 1695–1758 Wien); Franz Anton Zauner, Bildhauer (Unterfalpetan/Kaunerberg 1746–1822 Wien); Johann Baptist Lampi d. Ä., Maler (Romeno 1751–1830 Wien); Joseph Anton Koch, Maler (Obergiblen/Elbigenalp 1768–1839 Rom); Dominikus Mahlknecht, Bildhauer (Überwasser bei St. Ulrich in Gröden 1793–1876 Paris)

 

Alle Details zur Fassade

Mehr Informationen rund um die Fassade, erhalten Sie hier im Artikel von Ellen Hastaba ...

 

Ellen Hastaba: Programm mit Zufall und Abstrichen – gesamttirolisch ausgerichtet: Die Fassade des Tiroler Landesmuseums Ferdinandeum. –  „Bilden verstümmelte nackte Torso, nackte Knaben und halbnackte Weiber einen geeigneten charakteristischen, einen ehrenvollen und kunstgerechten Schmuck für ein tirolisches Landesmuseum?“ in: Veröffentlichungen des Tiroler Landesmuseums Ferdinandeum 83/2003, Innsbruck 2003, S. 63-94.

 

Abb. v.l.n.r. 2 x Hastaba/TLM, 1 x Trentini/TLMF

 

In Stein gemeißelt - Max Weiler

Teil 2: Bekanntgabe der Entscheidung in der ferdinandea

Sie haben uns viele Gesichter in Erinnerung gerufen - vielen Dank für Ihre rege Teilnahme  

 

von Bernhard Braun

 

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Es trifft sich gut, dass die Wahl der Leserinnen und Leser der ferdinandea mit großer Mehrheit auf Max Weiler fiel – es trifft sich nämlich mit seinem einhundertsten Geburtstag, der im Ferdinandeum mit einer viel beachteten Ausstellung „Max Weiler – die großen Werke“ gebührend gefeiert wurde. Max Weiler wird nach einer Unterbrechung von mehreren Jahrzehnten der nächste Kopf am Haus in der Museumsstraße.

Mit ihm, dem Altmeister der österreichischen Gegenwartsmalerei, kommt ein würdiger Vertreter Tirols zu dieser Ehre, insbesondere deshalb, weil kaum ein anderer

österreichischer Künstler der Nachkriegszeit so viele Arbeiten für den öffentlichen Raum geschaffen hat. Weiler kommt daher auch das Verdienst zu, die Kunst in die Öffentlichkeit getragen und sie dort durch die eine oder andere Aufregung auch nachhaltig ins Bewusstsein gerufen zu haben. Es sind Deckengemälde und Wandgestaltungen (Fresken, Wandbilder, Leinwände, Mosaike) Glasfenster, Bemalungen von Kreuzwegstationen oder der Eiserne Vorhang im Tiroler Landestheater, die der 1010 in Absam geborene Weiler – mit großer Sorgfalt in unzähligen Studien und Skizzen vorbereitet – der Öffentlichkeit hinterlassen hat. Daneben gibt es naturgemäß noch sein unübersehbares OEuvre als freier Künstler und schließlich seine Lehrtätigkeit an der Akademie der bildenden Künste in Wien.

Der Verein Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum freut sich, die Galerie am Ferdinandeum durch diesen glanzvollen Kopf erweitern zu können.

Neben Weiler gab es bei reger Beteiligung weitere Namen, die sich für die kommenden Jahre als KandidatInnen empfehlen. Aus dem Bereich der Kunst gab es zahlreiche Nennungen für Paul Flora, Gerhild Diesner, einzelne Nennungen für Heinz Gappmayr und Hilde Nöbl. Auf jeweils eine Nennung kamen die Architekten Lois Welzenbacher, Clemens Holzmeister und Hubert Prachensky. Vermutlich ist vielen Mitglieder gar nicht bewusst, dass auf der Fassade die Köpfe von Albin Egger-Lienz oder Franz von Defregger fehlen. Für sie wurden keine Voten abgegeben. In zukünftigen Überlegungen sollten sie jedoch ebenso wenig fehlen, wie der Name des großen Komponisten Josef Pembaur (1848–1923), der keine Erwähnung fand. Doch Pembaur prägte das Innsbrucker Musikleben über viel Jahrzehnte, gründete und leitete zahlreiche Musikeinrichtungen, unterrichtete, publizierte neben seiner Komponistentätigkeit zahlreiche einschlägige Aufsätze und drei Bücher. Vielfach geehrt sollte man in den  kommenden Jahren doch auch daran denken, ob Pembaur nicht ein würdiger Kopf für die Fassade wäre. Ein anderer Musiker, der in Sterzing geborene Johannes Gänsbacher (1778–1844), später Domkapellmeister im Stephansdom in Wien, wurde demgegenüber genannt. Auf eine Nennung brachte es Komponist und Musiktheoretiker Ludwig Thuille (1861–1907) aus Bozen. Mehrfach wurde für Ludwig von Ficker (1880–1967) abgestimmt, dem Gründer und Herausgeber des Zeitschrift „Der Brenner“. 1910 erschien „Der Brenner“, in dem prominente Autoren ihr Publikationsorgan fanden, zum ersten Mal und das Ferdinandeum widmete diesem Anlass eine spannende Ausstellung. Eine echte Entdeckung war der Raketentechniker Max Valier. 1895 in Bozen geboren, an der Innsbrucker Universität ausgebildet, war er ein Vorreiter der Raumfahrt. Zusammen mit Fritz von Opel entwickelte er erste Raketenwagen, später baute er an Flüssigtreibstoffraketen. Valier starb 1930 bei der Explosion einer Rakete und gilt als erstes Opfer der Raumfahrt. Wernher von Braun baute auf den Arbeiten von Valier auf. Neben Valier wurde der Physiker Viktor Hess genannt, der 1936 als Professor der Universität Innsbruck für die Entdeckung der Kosmischen Strahlung den Nobelpreis erhielt und der Ingenieur Josef Riehl.

Aus dem Bereich der Geisteswissenschaften scheinen die Namen des Polyhistors Paul von Rittinger, von Anton Roschmann, des ersten Bibliothekars der Universitätsbibliothek Innsbruck, des Altorientalisten Karl Oberhuber, des Theologen Karl Rahner und des ehemaligen Museumsdirektors Erich Egg auf. Auch bei Andreas Alois Baron Di Pauli von Treuheim (1761–1839) vermuten unsere Mitglieder wohl, dass er längst an der Fassade verewigt sei, niemand hat seinen Namen ausgewählt. Immerhin bildet die Sammlung des ehemaligen Museumsvorstands (Dipauliana) heute einen „Schatz innerhalb des Schatzes der Landesmuseumsbibliothek“ (R. Sila).

Der Vorstand des Vereins bedankt sich für die rege Teilnahme an der Abstimmung, die viele Namen in Erinnerung brachte. Ein Reservoir, aus dem das nächste Mal geschöpft werden kann, das aber auch zu weiteren Ergänzungen aufruft.

 

Max Weiler - Neu auf der Fassade des Ferdinandeums

Teil 3: Einladung zur Enthüllung der neuen Büste in der ferdinandea

Herzlich sind Sie zur feierlichen Enthüllung Max Weilers Büste eingeladen!  

 

von Bernhard Braun

 

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Am 12. Mai 2011 ist es so weit. Seit über einem Jahrhundert wurde kein Kopf mehr auf der Fassade des Ferdinandeums plaziert. Im vergangenen Jahr beschloss der Vorstand

des Museumsvereins, diese Tradition wieder aufzugreifen und fortzusetzen. Nach Recherchen von Ellen Hastaba, einer exzellenten Kennerin der Baugeschichte des Ferdinandeums, ist dies durchaus im Sinne von Natale Tommasi (1853–1923), der weitere Büsten auf Ost- und Westseite seines neuen Erweiterungsbaus samt Fassadengestaltung vorgesehen hatte. Die Bestückung der Fassade mit Büsten verdienter Persönlichkeiten geht auf Entscheidungen der

Vereinsgremien 1882 und 1883 zurück. Als Entscheidungshilfe organisierte der Verein im Jahr 2010 ein Auswahlverfahren mit Beteiligung zahlreicher Vereinsmitglieder. Es wurde der bedeutende Tiroler Maler Max Weiler, der im vergangenen Jahr 100 Jahre alt geworden wäre, vorgeschlagen. Der Steinmetz Johannes Schlögl fertigte mit seinem Mitarbeiter Markus Jestl und der beratenden Begleitung des Haller Künstlers Magnus Pöhacker die Büste an. Am 12. Mai um 18 Uhr wird die feierliche Enthüllung auf der Ostseite des Ferdinandeums stattfinden. Alle FreundInnen von Max Weiler, des Ferdinandeums und alle Interessierten sind herzlich dazu eingeladen.