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museum_schloss_landeck

 

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03.10.10

Vereinsfahrt nach Fließ und Landeck

von Irene Tischler

 

1994 trat am Piller Sattel bei Fließ ein archäologischer Sensationsfund zu Tage, der die Presse weltweit beeindruckte. Alltags- und Kunstgegenstände, Münzen sowie Knochenreste und meterhohe Asche der verbrannten Opfertierteile von der mittleren Bronze- bis zur römischen Zeit kamen am dortigen Kultplatz zum Vorschein.

Bei unserer Vereinsfahrt zu diesem Ort am 3. Oktober wanderten auch wir prozessionsartig – zwar ohne Opfergaben dafür aber ausgestattet mit einer großen Portion kulturhistorischer Neugier – über kultisch gebrauchte Erdspalten und ursprüngliche Hohlwege hinweg. Am Gachen Blick ließen wir unsere Augen über die atemberaubenden Tallandeschaft schweifen bevor wir den Weg Richtung Museum einschlugen.

Dieses 2004 mit dem Tiroler Museumspreis gewürdigte Haus stellt zusätzlich zu den Funden vom Piller einen nicht minder Aufsehen erregenden Bronzehort aus, darunter den zweitältesten Metallhelm Europas. Mannigfaltig gearbeitete Fibeln sowie große und prunkvoll ziselierte Gürtelbleche der Frauentracht kennzeichnen einen dritten kostbaren hallstattzeitlichen Schatz der ebenfalls in Fließ gehoben wurde. Mit einer Kurzbesichtigung des Dokumentationszentrums Via Claudia Augusta, dieser bedeutungsvollen römisch-kaiserlichen Straße in den Norden, schloss sich der Bogen zur frühen Ortsgeschichte.

 

 

Flußabwärts erreichten wir nach einer stärkenden Mittagspause das Schloss Landeck und machten hier Bekanntschaft mit einem Heimatmuseum der zeitgenössischen Art. Die nachdenklich stimmende Ausstellung „Bleiben oder Gehen – Die bewegte Geschichte des Tiroler Oberlandes“ führte uns nämlich an die zahlreichen existentiell bedrohlichen und psychisch belastenden Lebenssituationen von BewohnerInnen des Oberlandes. Eindrücklich berichteten die Führerinnen aus den Gerichtsakten von Hexenprozessen, welche in der Frühen Neuzeit auf der Burg stattfanden. Verleumdung, Verfolgung, Folter und Tod waren dabei betroffen stimmende Konstanten.

Das Thema Migration aufgrund ökonomischer Not wurde dann von mehreren Seiten fundiert und anschaulich ausgeleuchtet. Angefangen von den nach Südamerika ausgewanderten OberländerInnen (Stichwort Siedlung Pozuzo), über die nach Oberschwaben zur Saisonarbeit gezogenen Kinder und Jugendlichen (so genannte Schwabenkinder) bis zu den unter dem Begriff Jenische subsumierten und gesellschaftlich ausgegrenzten nomadischen Bevölkerungsgruppen – überall zeigte sich, aus welch großer Armut und Not heraus, sich Menschen dazu entschlossen, wo anders ein besseres Leben zu suchen. 2006 wurde die engagierte Arbeit dieses Museums ebenfalls mit einem Preis ausgezeichnet.

 

Fotos: Tischler/TLMF

 

st._gallen

 

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valsugana

25.04. und 20.06.10

Vereinsfahrten nach Sankt Gallen und in die Valsugana

von Irene Tischler

 

Im bis auf den letzten Platz belegten Doppeldecker starteten wir in den frühen Morgenstunden des 25. April in die alte Kulturstadt Sankt Gallen. Dort führte uns ein Rundgang vorbei am Alten Waaghaus in die Kugel- und Spisergasse, wo die prunkvollen Erker mit ihren exotischen Früchten und frechen Grotesken vom künstlerischen Wettstreit wohlhabender Bürgersleute erzählen. Nachdem wir die nicht nur architektonische Trennung des protestantischen vom katholischen Viertel betrachtet hatten, betraten wir den Stiftsbezirk und standen direkt vor dem eisernen Abgang in den Pfalzkeller. Dieses futuristische Bauwerk ist gemeinsam mit der Buswartehallte am Markt und der Notrufzentrale ein Werk des Spanischen Stararchitekten Santiago Calatrava.

Nach dem historischen Karlstor, besuchten wir die barocke Stiftsbibliothek und staunten über die wohlüberlegte Sortierung, den Klosterplan, einen Riesenglobus und mehrere Handschriften. Abschließend suchten wir den Roten Platz auf, eine verkehrsberuhigte Oase inmitten von Bürogebäuden, um damit eine Brücke in die urbane Kunst der Gegenwart zu schlagen. Noch tiefer in die Stadtgeschichte tauchten wir beim Besuch des Historischen und Völkerkundemuseums ein. Dank dreier Kurzführungen konnten wir in die Bereiche des bürgerlichen Haushalts, der religiösen Verehrung der drei StadtpatronInnen, Gallus, Otmar und Wiborada, und die Baugeschichte hineinschnuppern.

 

 

Bei feuchtkaltem Wetter traten wir hingegen unsere Fahrt in die Valsugana am 20. Juli an. Die farbenprächtigen Fresken der Rochus-Kapelle im malerischen Örtchen Borgo Valsugana, die aus der Mitte des 16. Jahrhundert stammen, erheiterten die Gemüter und gaben willkommene ikonographische Rätsel auf.

Mit einer Sondergenehmigung ausgestattet, schlängelte sich dann unser Bus die einsamen Hänge des landschaftlich reizvollen Sella-Gebietes hoch. Vom Parkplatz aus begannen wir anschließend unseren Marsch durch die arte sella, eine Ausstellung von land art unter freiem Himmel. Die ausgewählten Künstlerinnen und Künstler lassen sich von der Umgebung inspirieren und entscheiden selbst, wo das Kunstwerk aufgestellt wird. Alle Objekte werden vor Ort und mit großteils natürlichen Materialien wie Holz und Stein geschaffen. So entstand ein üppiger Parcours, der unter anderem zu Francois Lelongs Wandernde Sonne, Armin Schuberts Tänzerinnen, Dominique Baillys Hörschnecke und Heather Janschs Bär führte. Auch das große für Musik- und Aufführungen bespielte Theater und die Cattedrale Vegetale wurden sehr bewundert, sodass wir nach mehreren Stunden müde, aber voll mit lebendigen Eindrücken die Heimreise antraten.

 

Fotos: Tischler/TLMF

 

muenchen_brandhorst

 

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salzburg_museum

 

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14.02. und 21.03.10

Vereinsfahrten nach München und Salzburg

von Irene Tischler

 

Mit einer Tagesfahrt würdigten wir den eindrucksvollen Neubau Museum Brandhorst des ArchitektInnenduos Sauerbruch Hutton. Die hochwertigen Exemplare der umfangreichen Privatsammlung mit Werken von Größen wie Andy Warhol, Sigmar Polke, Damien Hirst und nicht zuletzt Franz West in den hellen und weiten, wohnzimmeratmosphärischen Räumlichkeiten schlugen sämtliche BesucherInnen in ihren Bann. Insbesondere das Aushängeschild Cy Twombly mit seinem Rosenzyklus, der von der Poesie Bachmanns und Rilkes inspiriert ist, und dem zwölfteiligen, überwältigenden Lepanto-Zyklus, blieben mir lebhaft in Erinnerung.

Nach einer notwendigen Stärkung und Kunst-Verdauungspause ging es weiter zu einer überaus prächtigen und glanzvollen Ausstellung, die die Reichtümer und Kunstfertigkeiten der indischen Maharanis und Maharajas vor Augen führte. Anhand zahlreicher kostbarer Objekte wie Throne, Kleider, Waffen und Schmuck sowie einer Reihe von hochwertigen Miniaturen, Bildern, Fotos und Videos wurde der politische, soziale und kulturelle Wandel vom Beginn des 18. bis zum Ende des 19. Jahrhunderts veranschaulicht und kontextualisiert.

 

Mit Tagesanbruch starteten wir hingegen unsere Fahrt nach Salzburg am 21. März, um das mit dem Europäischen Museumspreis geadelte Museum Salzburg und Panorama Museum, eines unsere Kooperationspartner, näher kennen zu lernen. Ausgewählte archäologische Highlights wie der keltischen Kanne oder der spätbronzezeitliche Helm von Pass Lueg (Bruchstücke eines ähnlichen Helmes wurden 2001 in Fließ ausgegraben) erwarteten uns in der so genannten Schatzkammer. Weiter ging es zum Ausstellungszyklus „Mythos Salzburg“, der sich mit dem einsetzenden Tourismus in der Region ebenso wie mit den außergewöhnlichen Herrschaftsverhältnissen sowie dem religiösen und sozialen Leben der BürgerInnen des Fürsterzbistums beschäftigt. Verdichtet wurden die in den Räumen behandelten Aspekte schließlich im Sattler’schen Panorama, das eine detaillierte und entdeckungsreiche Ansicht der Stadt und ihrer Umgebung bot.

Bei der nachmittäglichen Führung durch die Sonderausstellung „Gipfeltreffen der Moderne“ im MdM Mönchsberg konnten wir einen hervorragenden Überblick dieser Zeit anhand hochkarätiger Objekte aus der Sammlung Winterthur gewinnen. Von der französischen Landschaftsmalerei und dem Impressionismus wandelten wir zur romantisch-symbolischen Malerei, dem Kubismus und Blauen Reiter weiter zu Bauhaus, Neue Sachlichkeit und konkrete Kunst. Neben einer Reihe sinnlicher Skulpturen und Plastiken, bestaunten wir auch Zeichnungen und Installationen und gelangten zur Informellen Kunst, der Arte Povera und dem Abstrakten Expressionismus der Nachkriegszeit. Spätestens bei einem Film über die Kollektion stellte sich die dringliche Frage: Wie kam diese beeindruckende Sammlung überhaupt zustande? Es gelang, indem sich vor 162 Jahren KünstlerInnen und KunstfreundInnen zusammenschlossen mit dem Ziel, Kunst gemeinsam zu fördern und anzukaufen. Noch heute fungiert der Kunstverein Winterthur als Eigentümer des Museums und seiner herausragenden Kollektion. Eine bestärkende Parallele.

 

 

Fotos: Tischler/TLMF