Bibliothek

Wissenschaftliche Bibliothek

mit Schwerpunkt zur Landeskunde Tirols

 

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Die stete Sammeltätigkeit des Tiroler Landesmuseums Ferdinandeum schlägt sich besonders in den vielfältigen Beständen der Bibliothek nieder, die von der Gründung des Museums bis heute die Dokumentation des Landes und der Menschen des alten Kronlandes Tirol zum Ziel hat. Mit einem Bestand von ca. 250.000 Bänden, ca. 2500 Handschriften und zahlreichen Sondersammlungen (Topographische Graphik, Autographen, Tourismusprospekten, Ex-Libris-Sammlung, Theaterzetteln, etc.) ist sie die größte Tirolensienbibliothek des Landes. Erweitert wird der Bestand durch eine bedeutende Nachlasssammlung.
Die im deutschsprachigen Bereich einzigartige Dokumentation der Bestände, die vor über 100 Jahren von Kustos Conrad Fischnaler eingeführt wurde – der berühmte Zettelkatalog (der seit 2003 digital weitergeführt wird), macht Tirol zu der am besten dokumentierten Region Mitteleuropas, immerhin stehen über 1.600.000 Verweise zu allen für Tirol relevanten Themen zur Verfügung.

 

Bereits das Gründungsstatut des "Vereins des vaterländischen Museums in Tirol" sah die Schaffung einer "Bibliotheca tirolensis, bestehend aus Werken und Handschriften über Tirol oder von Tirolern" vor. Den Grundstock der Bibliothek bildeten damals 370 Bände eines Legats von Anton von Pfaundler (1757 - 1822), das auch eine Gemälde- und Graphiksammlung umfasste.

 

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1827 wurde der Buchbestand vom ehrenamtlichen Bibliothekar Alois Röggl (1782 - 1851, Abt des Praemonstratenser-Chorherrenstiftes Wilten und Kurator des Vereins) geordnet und nach Sachgebieten aufgestellt. Im selben Jahr wurde auch die Anreicherung der Bibliothekssammlungen mit tirolspezifischem Kartenmaterial und Nachschlagewerken zu den einzelnen Sammlungsschwerpunkten des Museums begonnen.
1829 legte das Vereinsmitglied Franz Karpe (1784 - 1837, ordentliches Mitglied der Medizinischen Fakultät zu Wien und Professor der theoretischen Medizin an der Universität Innsbruck) einen Nominalkatalog und einen zweiten, nach Sachgebieten geordneten Bibliothekskatalog an.

 

Die bedeutendste Erwerbung im Jahre 1845 stellt die Sammlung Dipauliana dar. Die Bibliothek des Freiherrn Andreas Alois di Pauli von Treuheim (1761 - 1839), Vorstand des Ferdinandeums von 1824 - 1838, war bereits zu seinen Lebzeiten Mitgliedern des Museumsvereins für Forschungszwecke zugänglich. Nachdem er die Vereinsleitung niederlegte, war man seitens des Museums sehr daran interessiert, diese besondere Privatsammlung auch weiterhin für den Verein zu erhalten. Die von seinen Erben verlangten 6000 Gulden für die ca. 1400 Bände brachten aber das Ferdinandeum in große Schwierigkeiten. Erst nach langen Verhandlungen wurde die Summe vom Kaiser als obersten Schutzherrn und Vorstand des Vereins im Jänner 1845 aus seiner Privatschatulle bezahlt. Die Dipauliana enthält vor allem wertvolle historische Handschriften ab dem 9. Jahrhundert, das sog. Schwazer Bergbuch (1556), Urkunden und frühe Drucke zur Geschichte und Landeskunde Tirols, seltene Landkarten und die handschriftlichen Werke Anton von Roschmanns (1694 - 1760).

 

Der 1845 eröffnete Neubau ermöglichte es erstmals, den gesamten Buchbestand zu vereinigen und geschlossen aufzustellen. Ein handschriftlicher dreibändiger Schlagwortkatalog, der den gesamten Bestand rückwirkend aufarbeitete, wurde auf Anregung des Universitätsprofessors und Kustos Julius von Ficker (1826 - 1902) von seinem Schüler Josef Durig erstellt.


Die Bestandsvermehrung erfolgte vorwiegend durch Schenkungen und großzügige Zuwendungen. So vermachte z.B. Freifrau Maria von Hormayr-Hortenburg 1881 testamentarisch 118 Bücher und einen namhafen Betrag der Bibliothek.

Ihr Gemahl, Josef Freiherr von Hormayr (1781 - 1848), hatte schon zu Lebzeiten den Bestand durch wertvolle Buchgeschenke und Überlassungen seiner eigenen Werke vermehrt.

 

Auf das 1886/87 erfolgte Legat der Brüder Johann (1806 - 1886) und Ludwig von Wieser (1808 - 1888) gehen nicht nur wesent-liche Teile der Autographensammlung des Ferdinandeums zurück; unter den 2400 Büchern waren u.a. auch wertvolle Handschriften und Frühdrucke der "Annenberger Bibliothek". Die Bibliotheken des patriotischen Radetzkyvereins und der Tiroler Sektion des Österreichischen Kunstvereins kamen nach deren Auflösung an das Museum. Weitere Büchergeschenke gelangten mit den Nachlässen Ludwig Steub (1812-1888) und Ludwig von Hörmann (1837-1924) an das Ferdinandeum.

 

Der Druckereibesitzer Eckart von Schuhmacher (1867-1927) übergab der Bibliothek im Jahre 1905 eine Sammlung von Druckerzeugnissen aus der über dreihundert Jahre alten Innsbrucker Buchdruckerei Wagner. Besonders wichtige und wertvolle Tirolensien enthielten die Schenkungen aus den Nachlässen des Stadtapothekers Franz Winkler (1833-1895) und des Magistratsrates Franz Werner (1829-1903).

 

Weitere, vorwiegend nicht auf das Sammelgebiet Tirol bezogene Druckschriften gelangten im Austausch mit der Zeitschrift des Ferdinandeums in die Bibliothek. Die bereits im Statutenentwurf vorgesehene Vereinszeitung sollte an das Periodikum "Sammler für Geschichte und Statistik von Tirol" anknüpfen, das zwischen 1806 und 1809 erschien und tirolischen Themen gewidmet war. Die "Beyträge zur Geschichte, Statistik, Naturkunde und Kunst von Tirol und Vorarlberg" wurden ab 1825 von Andreas von Mersi, Aloys von Pfaundler und Joseph Röggl herausgegeben.

 

1834 als "Neue Zeitschrift des Ferdinandeum für Tirol und Vorarlberg" fortgeführt und in der Folge mehrmals erneuert, erscheint die vereinseigene Publikation nun unter dem Titel "Veröffentlichungen des Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum" und dem Jahrbuch der Tiroler Landesmuseen Betriebsges.m.b.H.

 

Abb. 1: Blick vom Museum in die Bibliothek (Glasfenster gestaltet von Eva Schlegel), Abb. 2: Bände der Dipauliana, Abb. 3: Blick in den Lesesaal (der Bibliothek), Abb. 4: Tänzerin und Musiker, 19. Jh., Bibliothek, FB 21132, Foto: TLM, Abb. 5: Hans Vintler, Pluemen der Tugent (Ausschnitt), Foto: TLM, Abb. 6: Fotographie 1865 von G.B. Unterweger (Trient), "junge Akrobatin", Foto: TLM

 

Kustos der Bibliothek

Roland Sila
Tel.: +43.512.59489-161
Fax: +43.512.59489-169