Musiksammlungen

Tiroler Musikgeschichte und Musiktradition

Instrumente, Notenhandschriften und Notendrucke

 

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  Frédéric Chopin: Prélude f-Moll (Presto), Nr. 2 aus Zwölf Etüden opus 25 (MP3, 3MB)

 

Die Musiksammlung des Tiroler Landesmuseums Ferdinandeum dokumentiert und erforscht die Tiroler Musikgeschichte und Musiktradition. Der Bereich umfasst musikalische Feldforschung, die Aktualisierung historischer Quellen (Notenhandschriften) sowie die Organisation eines tirolspezifischen Konzertprogramms, das in einer eigenen CD-Reihe dokumentiert wird.

 

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   www.musikland-tirol.at

Die Musikaliensammlungen des Tiroler Landesmuseums Ferdinandeum umfasst ca. 10.000 Notenhandschriften und -drucke, vorwiegend des 18. und 19. Jahrhunderts, darunter auch der äußerst seltene Erstdruck (Dresden 1833) des Weihnachtsliedes "Stille Nacht", Werke der "Tiroler Cäcilianer" (z.B. Josef Gregor Zangl, Bernardin Engl, Arsenius Niedrist, Franz Schöpf u.a.) stellen den Hauptteil der Sammlung. Ergänzt wird die Sammlung durch vielfältiges Material zur Musikgeschichte Tirols sowie die vom Musikschriftsteller Emil Berlanda (1905-1960) erstellten Abschriften lokaler Zeitungsberichte des 19.Jahrhunderts zu musikologisch bedeutsamen Ereignissen, die u.a. den Grundstück dieser Sammlung bilden.
Als einzigartige Besonderheit besitzt das Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum ein vollständiges Quintett vom berühmtesten Instrumentenbauer nördlich der Alpen, dem "Vater der deutschen Geige", Jakob Stainer (um 1620-1683).

 

Die Musiksammlung des Ferdinandeums verdankt ihre Existenz und kontinuierliche Entwicklung vor allem dem Engagement des Arztes Dr. Franz Waldner (1843-1917). Er hat im Jahr 1907 die bislang eher zufällig in das Museum gelangten Musikinstrumente, die bezeichnenderweise in einer Abteilung Alterthümer, historische Erinnerungen und Kuriositäten untergebracht waren, in einem eigens errichteten Musikalien-Kabinett zusammengefasst. In der Folge gelangen ihm vielfach durch Privatinitiative und in Form von Schenkungen bedeutende Erwerbungen vor allem von Streichinstrumenten, die gegenwärtig zu den Glanzstücken der Sammlung gehören.
Seine Arbeiten im Bereich musikhistorischer Grundlagenforschung sind zum Teil noch heute aktuell, ebenso wie seine damals durchaus moderne Idee, die historischen Musikinstrumente in Konzerten mit Musik ihrer Zeit klingend vorzustellen. Die Grundkonzeption im Wirken Waldners, das Sammeln, Erforschen und Präsentieren prägen auch gegenwärtig die Aktivitäten der Musiksammlung.


Nach Waldners Tod wurde für dieses Glanzstück der Tiroler Kulturgeschichte keine weitere Betreuung vorgesehen. Erst vierzig Jahre später, im Jahr 1956, hat der bedeutende Tiroler Musikhistoriker Walter Senn sich dieser teilweise schon verwahrlosten Sammlung angenommen und bis zu seinem Tod, 1981, sachkundig und äußerst erfolgreich betreut. Auch ihm war die Erwerbung einer Vielzahl von wichtigen Musikinstrumenten gelungen, ein Umstand, der umso mehr zu bewundern ist, wenn man die immer noch karge finanzielle Zuwendung in Betracht

zieht. 

 

Er begann auch mit der wissenschaftlich korrekten Bestandsaufnahme der Sammlung und hat erstmals die teilweise wertvollen Notenhandschriften und Notendrucke gesichtet und geordnet.


Mit der Bestellung des Musikwissenschaftlers Dr. Manfred Schneider, einem Schüler von Walter Senn, zum hauptamtlichen Leiter der Musiksammlung erhielt diese Abteilung erstmals die Möglichkeit einer kontinuierlichen wissenschaftlichen und organisatorischen Betreuung. 

 

Unter seiner Leitung präsentierte sich die Musiksammlung in der Öffentlichkeit vor allem mit Konzerten mit spezifischen Programmen zur Tiroler Musikgeschichte und mit CD-Produktionen, die zumeist als akustische Abbilder der Konzerte weiterwirken und diese Aktivitäten auch national wie international einem größeren über das Konzertpublikum hinausreichenden Kreis von Interessenten bekannt machen.

 

Durch die Berufung von Dr. Franz Gratl zum wissenschaftlichen Mitarbeiter (seit 2006) und Kustos (seit 1.8.2007) werden zusätzliche Akzente in den Bereichen der Sammlungsbetreuung, Quellenerschließung und wissenschaftlichen Grundlagenforschung gesetzt.

 

Zur Realisierung dieses Konzepts war es notwendig, über den schon vorhanden ca. 10.000 Nummern umfassenden Notenbestand des Ferdinandeums an vorwiegend Tirolensien hinaus, konsequent weitere Quellen zu eruieren. Im Zusammenwirken mit zahlreichen europäischen Archiven konnte so in den letzten Jahren eine stattliche Materialiensammlung zur Tiroler Musikgeschichte gesammelt werden. Es sind dies vor allem Drucke von Kompositionen, die im 16. und 17. Jahrhundert in großer Zahl in Tirol entstanden sind. 

 

Vielfach sind diese Quellen, die wie durch ein Wunder die Zeiten überdauert haben, schon in moderne Notenschrift übertragen worden und können so nach und nach, in Konzerten vorgestellt und auf CDs dokumentiert, Tirols große Musikvergangenheit erschließen.


Die Musiksammlung verwahrt viele Musikinstrumente und Musikalien von außerordentlicher Seltenheit und auch außergewöhnlicher Schönheit. Der größte Reichtum der Sammlung ist der Bestand an Streichinstrumenten des genialen aus Absam gebürtigen Geigenbauers Jakob Stainer (1617c-1683). Das Ferdinandeum besitzt mit acht Instrumenten, die vollständig in der Schausammlung zu besichtigen sind, weltweit die größte Anzahl von Zeugnissen der überragenden Kunst Stainers, darunter auch seine in Fachkreisen berühmte letzte, im Jahr 1682 gefertigte Geige, die als sein bestes Werk gilt, jedoch leider nicht im Originalzustand erhalten geblieben ist.


Zu den Glanzstücken der Musiksammlung gehört der im Museum im Zeughaus eingerichtete Klangraum. Auf derzeit 100 Einzel-CDs ist Tirols großartige Musikgeschichte in bester Vielfalt dokumentiert und klingend erfahrbar. Es ist dies in Konzept und Durchführung eine weltweit einzigartige Einrichtung. Anhand eines Katalogs kann sich der Besucher einen Ein- und Überblick über Tirols reichhaltige Musikgeschichte verschaffen und nach Belieben das Stück seiner Wahl über die Klangmaschine selbst abrufen. Dieser Katalog ist auch im Internet (deutsch und englisch) siehe oben verfügbar. Der Klangraum ist das Ergebnis der konsequenten und vielfach innovativen Arbeit der letzten zehn Jahre. Das Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum ist imstande ist, eine systematisch geplante und vielfach bereits realisierte klingende Musikgeschichte, ein klingendes Museum zu präsentieren.

 

Die Musiksammlungen des Tiroler Landesmuseums Ferdinandeum arbeiten mit dem Institut für Tiroler Musikforschung Tiroler Musikkataster, RISM (Répertoire International des Sources Musicales) Westösterreich und dem Tiroler Volksliedarchiv zusammen.

 

Ausgewählte Instrumente aus der Sammlung werden im Ferdinandeum in einer Dauerausstellung präsentiert.

 

Abb. 1: Hammerflügel von Conrad Graf, Wien um 1838 (Foto: TLM, Matthias Klemenc), Abb. 2: Jacob Stainer: 3 Violen, Ausschnitt aus der Präsentation in der Schausammlung des Tiroler Landesmuseums (Foto: Frischauf), Abb. 3:  Jacob Stainer: Kontrabass (um 1650), Inv.Nr. M/I 32 (Foto: Frischauf), Abb. 4:  vorne liegend: Horn von Franz Leibelt, Innsbruck, Mitte 19. Jahrhundert, Inv.Nr. M/I 116; hinten rechts: Glögglhut (Schellenbaum), anonym, vor 1850, aus dem Besitz einer Tiroler Musikkapelle, Inv.Nr. M/I 228; hinten links: Schützentrommel aus Tirol, anonym, 19. Jh., Inv.Nr. M/I 152 (Foto: TLM/Matthias Klemenc)Abb. 5: Cover der CD „Josef Pembaur: Orchesterwerke“ (Klingende Kostbarkeiten aus Tirol 54), Innsbruck: Institut für Tiroler Musikforschung 2008, mit Abbildung des Porträts „Josef Pembaur d. Ä.“ von Gustav Klimt (TLMF) (Foto: TLM)

 

Kustos der Musiksammlung

Dr. Franz Gratl

Tel.: +43.512.59489-118

Fax: +43.512.59489-109