
Neuerwerbungen 2008/2009
Kunstvolles, Wertvolles, Kleidsames! und Erotisches?
Schenkungen und Ankäufe im Jahr 2008
Schenkungen und Ankäufe haben auch im vergangenen Jahr den Bestand des Vereins Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum um wichtige Werke erweitert. Von den Neuzugängen möchten wir einige herausgreifen und Ihnen vorstellen:
![]() | Als Geschenk ging das Porträt Anna Pühringer von Karl Honeder ca. 1941 gemalt (75 x 50 cm, Öl auf Leinwand, bez.), an den Verein. Die Dargestellte ist frontal als Halbfigur, in Hüfthöhe vom unteren Bildrand abgeschnitten, wiedergegeben. Mit ihren Händen umfasst sie die lange Perlenkette, die sie schmückt. Der Kopf ist leicht nach links gewandt, der Blick an den BetrachterInnen vorbei geführt. Anna Pühringer, verheiratete Müller, wurde 1921 geboren, lebte in Innsbruck und verstarb im Jahr 1993. Der Porträtist Karl Honeder zählt zu den bedeutend-sten Malern der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in Tirol. |
Er wurde 1874 in Linz geboren, besuchte zunächst die Lehrerbildungsanstalt, war dann jedoch als Beamter der Eisenbahn tätig. Es waren gesundheitliche Gründe, die Honeder nach Innsbruck geführt haben. Nach seiner Pensionierung widmete er sich ganz der Malerei, der Landschaftsdarstellung, dem Stillleben und immer wieder dem Porträt. Sein Stil ist weitgehend dem Spätimpressionismus verpflichtet, mit vereinzelten expressiven, aber auch dekorativen Akzenten. Hier bestimmt der Naturalismus den Porträtstil.
Dem Porträt Anna Pühringer wurde jenes Sommerkleid aus schwarzer Kunstseide mit eingesetzten, bunten, blumengemusterten Stoffteilen auf der Vorderseite des Oberteiles, welches die Dargestellte trägt, beigegeben.
In den Besitz des Ferdinandeums ging eine mit floralem Muster reich verzierte Schmuckkassette aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts über. Die 26,5 x 14 cm große, in Nürnberg entstandene Schatulle ist an allen vier Seiten sowie am Deckel mit Blattdekor geätzt. Das flächendeckende Muster aus kleinteiligen Blattformen wird als Maureske, in Anlehnung an die dekorative sog. maurische Kuns, bezeichnet. Die Kassette ist ein Geschenk von Dr. Ingeborg Steinacker aus Berlin.
Der Tiroler Bildhauer Emmerich Kerle schenkte dem Verein die um 1980 geschaffene „Büste Landeshauptmann Eduard Wallnöfer“ (Gips, bronziert).
| Ein Ölgemälde von Manfred Schluderbacher wurde von René Benko und Dr. Marcus Mühlberger dem Ferdinandeum übergeben. Der Künstler wurde 1964 in Bregenz geboren und studierte bei Prof. Markus Prachensky an der Akademie der Bildenden Künste in Wien. Schluderbacher lebt und arbeitet in Wien. Seine Bilder veranschaulichen farbintensive, mit kraftvollem „Pinselstrich“ gemalte Farbräume. |
Mit dem heurigen Gedenkjahr eng verbunden ist das Geschenk der Sturmfahne der Söllander-Standschützenkompagnie, welche um 1800 entstand und mit dem Tiroler Adler sowie der Herz-Jesu-Darstellung bestickt ist. Aus dem Besitz der Söller Sportschützen gingen weiters drei Fahnenbänder, ein Infanterieoffizierssäbel mit Gehänge, eine Offiziersfeldbinde, fünf Auszeichnungen sowie eine Fahne mit der Aufschrift „Jahrhundert-Freischiessen Kitzbühel 1809-1909“ an den Museumsverein.
![]() | Der Bestand an kunsthandwerklichen Arbeiten wurde um 59 schöne Glasobjekte erweitert. Zu dieser Schenkung zählen u. a. eine grüne Nabelflasche, Flakons aus weißem Alabasterglas, kobaltblaue Parfümflakons mit goldenem Dekor, eine Glasglocke sowie Schüsseln und Schalen mit Golddekor, eine rosa gefärbte Schale, ein muschelförmiges Likör- oder Schnapsglas, ein Kelchglas mit Darstellungen von Tieren und Landschaftsausschnitten, weiters Vasen und Schalen im antikisierenden und ägyptischen Stil. Alle Objekte stammen aus Böhmen und datieren in das ausgehende 19. beziehungsweise beginnende 20. Jahrhundert. Den verspielten Formen und Dekorarten der der frühen Gläser stehen die Klarheit und Einfachheit der in den 1920er und 1930er Jahren |
entstandenen gegenüber, wie die dunkelblauen Schalen, eine rosa Karaffe, ein Teller und eine Schale veranschaulichen.
Weiters kam ein Wandbehang mit maschinell gestickten Greifen und szenischen Darstellungen aus dem ausgehenden 19. bzw. beginnenden 20. Jahrhundert in der Größe von ca. 260 cm Länge und 123 cm Höhe als Geschenk hinzu.
Die Graphiksammlung ist um den Ankauf von sechs Blättern des international renommierten Künstlers Walter Pichler reicher, dem vor kurzem eine Ausstellung im Ferdinandeum gewidmet war. Die 1963 entstandenen Arbeiten gehören der Werkgruppe Radikale Architektur I an und stehen in unmittelbarem Zusammenhang mit der im gleichen Jahr entstandenen und im Besitz des Tiroler Landesmuseums Ferdinandeum befindlichen Skulptur „Unterirdisches Gebäude mit ausfahrbarem Kern“.
Walter Pichler hat ergänzend dem Verein die Zeichnung Kreuz von 2008 als Geschenk überlassen. Dieses nimmt Bezug auf das romanische Kruzifix aus Gaal, welches in der permanenten Ausstellung entsprechend seiner Bedeutung prominent platziert ist.
Für die Graphische Sammlung konnte das um 1935 entstandene Blatt Tennisspieler von Erich Torggler angekauft werden (Tempera, 30 x 40 cm, auf Karton montiert). Erich Torggler (1899 Kufstein – 1938 Innsbruck) gehört zu den bedeutendsten Graphikern der Zwischenkriegszeit in Tirol. Neben Gebrauchsgraphiken schuf er zahlreiche freie, künstlerische Arbeiten im zunächst spätimpressionistischen, dann expressiven und später sachlichen Stil.
In den Bestand des Vereins gingen durch Ankäufe auch einige wertvolle barocke Graphiken über, wie die beiden Kupferstiche Anbetung der Hirten und Anbetung der Könige von Johann Evangelist Holzer (1709 Burgeis – 1740 Schloss Clemenswerth), dem 2010/11 eine große Ausstellung im Ferdinandeum gewidmet wird. Sowohl die Anbetung der Hirten als auch der Könige befinden sich als Ölgemälde im Besitz des Ferdinandeums.
Nur punktuell können die zahlreichen Schenkungen an die Bibliothek aufgezeigt werden. Ein besonders schönes fünfteiliges Großglockner-Panorama von Markus Pernhart, eine Chromolithographie, die 1865/66 vom Oesterreichischen Alpenverein herausgegeben wurde, konnte angekauft werden, gleichfalls der Druck „Prophecia simplicis Militis ad status ecclesie simplici sed non imperita distione deprompta“ des aus Landeck stammenden Autors „Christian Faedem de Landeck“. Die Veröffentlichung erfolgte 1521 in Basel und stellt dessen einzige nachweisbare Arbeit dar. Der Verfasser befasst sich dabei mit Endzeitprophezeiungen und deren Interpretationen. Den Ausführungen sind Holzschnitte beigegeben. Besonders erwähnenswert ist auch der Erwerb der von Johann Nepomuk Tinkhauser verfassten „Brunecker Chronik“ von 1834. Es handelt sich um eine eigenhändige Abschrift mit Manuskriptkarte, Stammbaum, Wappen der Brunecker Familien sowie zahlreiche Ortsansichten, vor allem aus dem Pustertal. Diese Neuzugänge werden später noch ausführlicher vorgestellt.
Aus dem Nachlass von Erich Egg gelangten das Bild Antoniuskapelle von Alfons Walde, der Druck Innsbruck von Büchsenhausen aus gesehen von Josef Gröbner, eine Verkündigungsgruppe von Sepp Baumgartner, zahlreiche Bücher und der handschriftliche Nachlass sowie Fotografien in die Sammlungen des Ferdinandeums .
| Die Historischen Sammlungen wurden durch den Kauf der Repetier Windbüchse von 1779 und eines Werbeplakates, der in Wien ansässigen Deferegger Strohhutfirma J. Oberwalder & Co. ergänzt. Hinzu kamen Geschenke, wie zum Beispiel ein Stereobetrachter in originaler Holzkassette aus der Zeit um 1900, eine Tirolkarte nach Peter Anich (um 1800), verschiedene Fotografien, Briefmarken, Münzen und der Nachlass der „Innsbrucker Puppenbühne“.
Für die Vor- und Frühgeschichtlichen und Provinzialrömischen Sammlungen wurde ein becherförmiges Sauggefäß aus Keramik für die Kinderernährung aus dem urnenfelderzeitlichen Brandgräberfeld in Mühlbachl bei Matrei am Brenner erworben. Dieser Altfund stammt aus der ehemaligen Privatsammlung Steiner (Matrei am Brenner).
Die Naturwissenschaften konnten ihren eigenen Bestand durch den Kauf der großen Schmetterlingssammlung von Dr. Jacques Nel ergänzen, bestehend aus über 6.000 Tagfalter und 23.000 Kleinschmetterlingen von insgesamt 3.600 Arten. Es handelt sich dabei um Typenmaterial von 54 Arten, davon 9 Holotypen und zusätzlich rund 8.800 mikroskopischen Präparaten, Genitalpräparaten.
Nicht zuletzt wurden die Musiksammlungen vergrößert, unter anderem durch Notenbücher, ein handgeschriebenes Choralbuch, Musikdrucke aus dem 17. Jahrhundert und vor allem durch den Musiknachlass des Komponisten und Theaterkapellmeisters Rudolf Graf (1906-1989). Rudolf Graf war Kapellmeister am Landestheater und Leiter der Opernklasse am Konservatorium in Innsbruck. |
Abb. 1: Schmuckkassette, 2. Hälfte 16. Jahrhundert, Maße: 26,5 x 14 cm, Inventarnummer: ES/136, Abb. 2: Bildnis Anna Pühringer, um 1941, Inv. Nr. Gem 4471, Abb. 3: Übergabe des Bildes von Manfred Schluderbacher an den Verein, Clemens Rhomberg, Konsul Trentini, René Benko, Dr. Marcus Mühlberger, Abb. 4: Vase, Ende 19. Jahrhundert, H 13,5 cm; Dm (Fuß) 4 cm; Dm (oben) 2,5 cm, bauchige Vase mit langem Hals, rosa Glas, pastose Goldmalerei mit aufgesetztem türkisem Glas, Inventarnummer: GL/819, Abb. 5: Eingeschlagener Doppeladler als staatliches Abnahmezeichen und "G" als Signatur des Büchsenmachers Bartolomeo Girandoni am Schlossgehäuse der Militär-Repetierwindbüchse M 1779, Foto: Pizzinini/TLM, Abb. 6: Spätbronzezeitliches Sauggefäß, Keramik, Mühlbachl bei Matrei am Brenner, Inv.-Nr. U 19.268, Abb. 7: Die Schmetterlingssammlung von Dr. Jaques Nel umfasst u.a. 8500 mikroskopische Präparate, wie das Männchen der erst 2005 neu entdeckten und benannten Caryocolum mazeil Huemer & Nel
Der Verein des Tiroler Landesmuseums Ferdinandeum bedankt sich für die so wertvollen Schenkungen!





